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Geschichte
Gründung
Zur Zeit der Gründung Aquileias durch die Römer war die Gegend um Triest von keltischen und illyrischen Stämmen bewohnt. Die Siedlung Tergeste – was von dem Wort Terg abgeleitet „Markt“ bedeutet – wurde zum ersten Mal 104 v. Chr. erwähnt. Es bezeichnete eine Ansiedlung auf dem heutigen Stadthügel San Giusto. Der Ort wurde unter Augustus am Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. als Grenzfestung gegen die in den Ostalpen siedelnden Japyden zur römischen Kolonie. Tergeste entwickelte sich zu einem wichtigen Hafenort im Römischen Reich mit verschiedenen Handelsstraßen entlang der Adria und über die Julischen Alpen. Allerdings erlangte Triest nie die Bedeutung von Aquileia.
Nach dem Untergang des Weströmischen Reichs im Jahre 476 teilte Triest das allgemeine Schicksal Istriens und ging durch verschiedene Hände. Ostgoten, Byzantiner und Langobarden folgten einander in der Herrschaft, bis die Stadt 774 dem Reich Karls des Großen als ein Teil der Mark Friaul einverleibt wurde. Unter Kaiser Lothar III. erhielt der Bischof von Triest weltliche Hoheit über die Stadt. Triest behielt die Unabhängigkeit unter seinen Bischöfen bis zur Eroberung durch Venedig 1203. Für die nächsten 180 Jahre besteht die Geschichte Triests hauptsächlich aus einer Reihe von Konflikten mit Venedig, die schließlich damit beendet wurden, dass es sich 1382 unter den Schutz Leopolds III. von Österreich stellte.
Habsburgisch-Österreichische Herrschaft (1382-1918)
Triest war von 1382 bis 1918 habsburgisch-österreichisch. Das Protektorat entwickelte sich unmerklich in ein wirkliches Besitzverhältnis. Vertreten wurde die kaiserlich-habsburgische Krone in Triest nominell durch das Geschlecht der Grafen von Montenari (die Statthalterschaft wurde zuerst ad personam vom jeweils herrschenden Kaiser verliehen, später dann erblich nach dem Gesetz der Primogenitur an den ältesten Sohn der Grafen von Montenari weitergegeben). Abgesehen von wiederholten Besetzungen durch Venedig und der napoleonischen Periode (1797, 1805-1806 und 1809-1813) blieb Triest bis zum Ersten Weltkrieg ein Teil des habsburgischen Österreichs.
Triests Aufstieg in der Donaumonarchie begann 1719 mit der Erhebung der Stadt zum kaiserlichen Freihafen durch Karl VI. – ein Status, den die Stadt bis 1891 beibehielt. Karls Nachfolger Maria Theresia und Joseph II. unterstützten Triests wirtschaftlichen Aufschwung durch das Anlegen städtebaulich wichtiger Viertel, der „Maria-Theresien-Stadt“ (Borgo Teresiano) und der „Josephsstadt“ (Borgo Giuseppino) westlich bzw. östlich des heutigen Hauptplatzes. Als einziger großer Seehafen Österreich-Ungarns nahm Triest eine wichtige strategische Stellung in der Habsburger Monarchie ein. Der Druck Venedigs hemmte jedoch lange Zeit die wirtschaftliche Entwicklung Triests. Erst die Eroberung Venedigs durch Napoleon am Ende des 18. Jahrhunderts und der anschließende Friede von Campo Formio, in dem Venedig Österreich-Ungarn zugesprochen wurde, leitete den Niedergang der Serenissima und die Blütezeit Triests ein. Mit österreichischer Unterstützung löste Triest Venedig in seiner führenden Rolle im Handel mit dem Nahen Osten ab und entwickelte sich zum größten Handelszentrum der Adria. 1802 liefen Triest 5.442 Schiffe an, die 483.326 Tonnen Güter umschlugen. Am Höhepunkt der Blütezeit Triests, rund 100 Jahre später, waren es mehr als doppelt so viele Schiffe und mehr als 10 Mal so viel Güterumschlag. Haupthandelsgüter waren Kaffee, Zucker und Südfrüchte sowie Weine, Öle, Baumwolle, Eisen, Holz und Maschinen.
Unter Napoleon wurde Triest 1809 den Illyrischen Provinzen zugeschlagen und damit bis 1814 französisch. Diese kurze Zeit hinterließ ihre Spuren in klassizistischen Bauwerken wie u. a. in der Triestiner Oper Teatro Verdi, die nach den Plänen des Architekten Matthäus Pertsch entstand. 1813 wurde Triest von Österreich unter General Lattermann zurückerobert. Am 1. Juli 1829 führte Joseph Ressel mit der in Triest erbauten „Civetta“ die erste erfolgreiche Testfahrt mit einer Schiffsschraube durch. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es dann zur Gründung von Versicherungsgesellschaften, Werften, Bankniederlassungen und Schiffahrtsunternehmen. Darunter etwa die Assicurazioni Generali (1831), der Österreichische Lloyd (1832), die Werft „San Marco“ (1839/1840), die Werft Giuseppe Tonellos (1852) und 1860 das Lloyd-Arsenal, da die privaten Werften dem schnell wachsenden Schifffahrtsunternehmen mit der Produktion nicht mehr nachkommen konnten. 1857/58 entstand aus der Maschinenfabrik Strudenhoff in Sant' Andrea und der Werft San Rocco das Stabilimento Tecnico Triestino (S.T.T.) in Muggia, gegenüber von Triest. Dieses neue Großunternehmen kaufte 1897 auch die mittlerweile zur Großwerft ausgebaute Werft von Giuseppe Tonello dazu. Die S.T.T. war in der Lage Schiffe mit einer Verdrängung von bis zu 20.500 Tonnen – etwa die großen Schlachtkreuzer der k. u. k. Kriegsmarine – zu bauen.
Nachdem die Vorherrschaft Napoleons in Italien überwunden worden war, kam es im Kaiserreich Österreich – wie auch in anderen Teilen Europas – zur Revolution, die Folge von politischen und nationalen Problemen war. In Oberitalien erreichten die Aufstände gegen die österreichische Herrschaft und für einen geeinten italienischen Nationalstaat (siehe auch Risorgimento) im Jahre 1848 ihren Höhepunkt. Während der italienischen und ungarischen Revolutionen blieb Triest Österreich-Ungarn treu und erhielt den Titel Città Fedelissima – die „allergetreuste Stadt“.
1867 wurden Triest und das unmittelbar angrenzende Territorium als separates Kronland konstituiert. Gleichzeitig war es Sitz des Statthalters des österreichischen Küstenlandes, der auch für die benachbarten Kronländer Görz und Gradisca und Istrien zuständig war.
Allerdings setzte auch in dem zum größten Teil von Italienern bewohnten Triest eine zunehmende italienische irredentistische Bewegung ein, die darauf abzielte, Triest als italienischsprachiges Gebiet von Österreich-Ungarn loszulösen und dem 1861 gegründeten Nationalstaat Italien anzuschließen. Der Irredentismus hatte seinen Höhepunkt, als 1882 Kaiser Franz Joseph I. Triest anlässlich der 500-jährigen Dauer der habsburgischen Herrschaft über die Stadt besuchte. Während antiösterreichischer Demonstrationen entging der Kaiser nur knapp dem Bombenattentat von Guglielmo Oberdan und seinen Komplizen. Triest blieb im Nationalitätenkampf bis 1914 einer der heißesten Konfliktherde Österreich-Ungarns.
Trotz der politischen und nationalen Probleme blühte Triest wirtschaftlich und kulturell auf. Zwei Hauptbahnstrecken, die Südbahn (ab 1854) über den Semmering nach Wien und die Tauernbahn (ab 1909) über Görz und Villach nach Salzburg, verbanden Triest mit Wien und zahlreichen wichtigen Städten der kaiserlich-königlichen Monarchie und unterstützten den Güterverkehr. Die Hafenstadt zog innerhalb der kaiserlich-königlichen Monarchie unter anderem den Hauptnutzen aus dem 1869 eröffneten Sueskanal. Österreichische Industrieerzeugnisse wurden nun auch in der Türkei, in Ägypten und Syrien abgesetzt. Ab 1867 wurden die alten Hafenanlagen, die dem wachsenden Handel nicht mehr entsprachen, ausgebaut. Zuerst wurde der nördlich gelegene Freihafen (punto franco) erweitert. 1880 betrug die Umschlagsmenge in den Triester Häfen 1,225 Millionen Tonnen. Bis 1912 stieg diese Menge auf 4,573 Millionen Tonnen. 1883 wurde der 30 Millionen Kronen teure Hafenumbau im Süden der Stadt vollendet. Die Lagerflächen sowie der neue Südbahnhof (stazione meridonale), der heute als einziger Personenbahnhof der Stadt noch besteht, wurden großteils auf aufgeschüttetem Land errichtet. Der wichtigste Bahnhof bis 1918 war jedoch der Staatsbahnhof (stazione dello stato). Zwischen ihm und dem Lloydareal erstreckte sich der neue Hafen (porto nuovo), der ab 1898 ausgebaut wurde und bis zum Ende der Monarchie Josephs-Hafen hieß.
Um 1900 stand die Stadt in ihrer vollen wirtschaftlichen Blüte und stellte ihren Reichtum durch zahlreiche Prachtbauten zur Schau. In Triest wirkten einige der Architekten die auch in Wien für die prächtigen Ringstraßengebäude im Stil des Historismus verantwortlich zeichneten, wie etwa Heinrich von Ferstel (z.B.Lloydpalast), Wilhelm von Flattich (z.B. Südbahnhof), Friedrich Schachner (diverse Palais). Zahlreiche Schriftsteller und Künstler wie James Joyce und Italo Svevo verkehrten in der Stadt. Die Triestiner Innenstadt mit seinem kosmopolitischen Bevölkerungsgemenge aus Italienern (75 %), Slawen (18 %), Deutsch-sprachigen (5 %) und anderen Kulturen avancierte zur literarischen Hauptstadt Mitteleuropas. Die anliegenden Bezirke zählten meist Slowenen (52 %), Italiener (43 %) und Deutsche (4 %), wo die ländliche Umgebung fast vollständig slowenisch war (93 %). Fast jeder Triestiner war mehrsprachig, wobei Italienisch die führende Verständigungssprache war.
Erster und Zweiter Weltkrieg
Nach dem Ersten Weltkrieg kam Triest, dessen Stadtzentrum überwiegend von Italienern bewohnt wurde, die anliegenden Viertel aber teilweise von Slowenen (18 %), gemeinsam mit Istrien und Ostfriaul zu Italien. In der Zeit nach 1919 entwickelte sich in Triest vor allem die Industrie.
Seit 30. Oktober 1922 war ganz Italien unter der faschistischen Herrschaft Mussolinis. Als Verbündeter der Deutschen im Zweiten Weltkrieg waren in Italien zahlreiche deutsche Truppen stationiert. Nach der Landung alliierter Truppen in Süditalien im Juli 1943 und der italienischen Kapitulation am 8. September durch den italienischen König Viktor Emanuel III. wurde der südliche Teil Italiens befreit, doch Norditalien blieb unter deutscher Kontrolle. Hier entstand zwischen September 1943 und Ende April 1945 die Italienische Sozialrepublik (Repubblica Sociale Italiana). Dieser faschistische Staat unter der militärischen Protektion Deutschlands und der Diktatur Mussolinis sollte den endgültigen Zusammenbruch der Achsenmächte verhindern. In der Italienischen Sozialrepublik wurde Triest zusammen mit anderen Küstengebieten der Adria (Fiume, Udine, Pula, Gorizia, Ljubljana) zur Operationszone Adriatisches Küstenland (OZAK) zusammengefasst. Die Zone unterstand dem Höheren SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik. Auf seine Veranlassung wurde in einem Vorort von Triest die Risiera di San Sabba eingerichtet, das einzige nationalsozialistische Konzentrationslager auf italienischem Boden. Das Lager diente hauptsächlich zur Inhaftierung von Geiseln, Partisanen und anderen politischen Gefangenen, aber auch als Sammellager für Juden vor ihrer Deportation in die Vernichtungslager. Die Mannschaft des Konzentrationslagers bestand vorwiegend aus deutschen SS-Mitgliedern. Als 1945 jugoslawische Partisanen Triest einnahmen, sprengte die SS einige Teile des Lagers, um ihre Spuren zu verwischen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Triest von den jugoslawischen Partisanen Titos für Jugoslawien beansprucht, was mit der Existenz der dortigen slowenischen Bevölkerungsgruppe begründet wurde. Unmittelbar bei Kriegsende 1945 wurde es von den jugoslawischen Partisanen besetzt, die die Stadt selbst jedoch kurz darauf auf Druck der Alliierten wieder verließen, ohne aber den Anspruch auf Triest aufzugeben. Damit begann eine Zeit, in der sich Jugoslawien und Italien um den Besitz der Stadt stritten.
Durch den Pariser Friedensvertrag zwischen Italien und den Alliierten von 1947 wurde Triest zusammen mit dem nordwestlichen Teil Istriens bis einschließlich Cittànova/Novigrad im Süden als Freies Territorium Triest (englisch Free Territory of Trieste, italienisch Territorio Libero di Trieste, slowenisch Svobodno tržaško ozemlje, kroatisch Slobodni teritorij Trsta) zu einem neutralen Staat unter Oberhoheit der Vereinten Nationen erklärt (ähnlich wie es die Freie Stadt Danzig unter dem Schutz des Völkerbundes in der Zwischenkriegszeit gewesen war). Der Gouverneur sollte vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ernannt werden, administrativ war das Gebiet jedoch in zwei Zonen unterteilt. Die Zone A, die die Stadt Triest mit ihrer nächsten Umgebung umfasste, unterstand britisch-amerikanischer Militärverwaltung, die Zone B, die das Hinterland der Stadt und den Nordwesten Istriens umfasste, jugoslawischer Militärverwaltung.
Durch das Londoner Abkommen zwischen Italien und Jugoslawien von 1954 wurde das Freie Territorium Triest aufgelöst. Das Gebiet der bisherigen Zone A wurde provisorisch wieder italienischer Zivilverwaltung unterstellt, das Gebiet der bisherigen Zone B jugoslawischer Zivilverwaltung, wobei der jugoslawische Teil nördlich des Flüsschens Dragonja der damaligen Teilrepublik Slowenien einverleibt wurde, der Teil südlich der Dragonja jedoch Kroatien. Erst am 10. November 1975 wurde im Vertrag von Osimo die Demarkationslinie von 1954 endgültig als italienisch-jugoslawische Grenze festgelegt und damit die Zugehörigkeit der Stadt Triest zu Italien definitiv bestätigt. (siehe auch: Internationale Konflikte der Nachfolgestaaten Jugoslawiens)
1962 wurde Triest die Hauptstadt der Region Friaul-Julisch Venetien.
Durch die Auflösung der Donaumonarchie und den Ost-West-Konflikt nach 1945 war Triest bis Mitte der 1980er Jahre sowohl politisch als auch wirtschaftlich isoliert. Mit dem Eintritt Sloweniens in die EU im Jahre 2004 verlor Triest endgültig seine jahrzehntelange Randposition.
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